Babystation

Dezember
9

Die Corona-Pandemie erschwert die Arbeit des Beschaffungsbetriebes der MIVA (BBM). Afrikareisen sind derzeit kaum denkbar. Aber das Team fand Mittel und Wege, seine Projekte trotzdem voranzutreiben. Zum Beispiel in Äthiopien, wo das Krankenhaus Bushulo zu einer Mutter-Kind-Spezialklinik umgebaut wird. Ein großer Schritt zur Eindämmung der grassierenden Mütter- und Kindersterblichkeit. In Äthiopien sterben heute noch immer 353 Frauen pro 100.000 Lebendgeburten.

Zum Vergleich: In Österreich sind es vier Todesfälle auf 100.000 Geburten. Ebenso erschreckend ist die Sterblichkeitsrate von Kindern unter 5 Jahren. In Österreich sind es 3,6 von eintausend Kindern, die vor dem 5. Geburtstag sterben. Für die Betroffenen ist das tragisch genug. In Äthiopien aber starben 2018 nicht weniger als 55 von tausend Kindern. Das sind fünf Prozent. Die Situation in dem nach wie vor von Armut geplagten Land ist äußerst prekär

 

Fehlende Früherkennung

Die Gründe für diese unhaltbare Situation sind weitgehend bekannt. Viele Frauen haben keine Möglichkeit, rechtzeitig eine Klinik zu erreichen. Bis zum nächsten Gesundheitszentrum sind sie oft bis zu 45 Kilometer zu Fuß unterwegs. Zudem fehlt es vielfach an medizinischer Ausrüstung. Lebensbedrohliche Komplikationen werden daher nicht rechtzeitig erkannt – mit fatalen Folgen für Mütter und Babys.

Schwere Folgeschäden, zum Beispiel durch Sauerstoffmangel bei der Geburt, können oft nicht vermieden werden. Die Caritas Vorarlberg unterstützt mit ihrer lokalen Partnerin, der Caritas Awassa, das Bushulo-Krankenhaus mit dem BBM: Ein Krankenhaus für Mütter und Kinder. Ziel, die Überlebenschancen für Kinder und Mütter zu erhöhen und ihre Gesundheit zu verbessern. Das Krankenhaus wurde 1979 von der katholischen Diözese Awassas gegründet und wird derzeit in eine Mutter-Kind-Spezialklinik umgebaut – ein Pionierprojekt für die ganze Region. Ein breites Spektrum medizinischer Versorgung soll in dem neuen Zentrum angeboten werden:

Schwangerschaftsbetreuung inklusive HIV-Abklärung, professionelle Geburtshilfe, Betreuung der Säuglinge und Kleinkinder (Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen, Programme gegen Unterernährung), ambulante und stationäre Betreuung bei Tuberkulose und Malariaerkrankungen. Dazu kommen Schulungsangebote für Mütter, in denen lebenspraktisches Wissen vermittelt wird: über die Bedeutung sauberen Wassers, über Fragen der Hygiene und über eine ausgewogene Ernährung für Kinder.

 

Ausrüstung von hoher Qualität

Von der Caritas wurde der BBM zur technischen Unterstützung bei der Planung des Krankenhauses herangezogen. Es galt, viele Qualitätskriterien zu berücksichtigen und dabei die Kosten in einem engen Rahmen zu halten. Sinnvoller Weise war der BBM schon im Planungsstadium dabei. In der Diskussion der Verantwortlichen mit Expertinnen und Experten wurden gemeinsam bestmögliche Lösungen gefunden.

Im Anschluss daran unterstützte der BBM Ausschreibung und Auftragsvergabe und übernahm die darauffolgende Bauüberwachung. Dabei kam es zu einer Kooperation mit einem Planungsteam der Firma Rostwa aus Uganda. Dann mussten die technologischen Kernkomponenten angeliefert werden. Dafür gibt es beim BBM eine ganze Liste von Kriterien, die die Kaufentscheidungen beeinflussen.

Zum Beispiel: Sind Instandhaltung und Reparaturen lokal möglich? Kann sich der Projektpartner Betrieb und Wartung leisten? Werden Ersatzteile lang genug verfügbar sein? Halten die Bauteile den extremen lokalen Bedingungen (Regen, Feuchtigkeit, Trockenheit) und externen Einflüssen (z.B. Termiten) stand? Ist die Technologie ökologisch vertretbar? Stehen Kosten und Nutzen in einer vernünftigen Relation?

Eine zentrale Aufgabe besteht darin, für das neue Mutter-Kind-Spital eine unterbrechungsfreie Energieversorgung durch Solarstrom und leistungsstarke Lithium-Batterien zu gewährleisten. Eine eigene Stromversorgung erscheint unbedingt notwendig, weil im öffentlichen Netz Stromausfälle an der Tagesordnung sind. Der BBM lieferte zudem folgende Komponenten:

  • Klimaanlagen für die Operationsräume,
  • eine Anlage zur Herstellung medizinischer Gase,
  • eine Wäscherei,
  • die Ausrüstung für eine zentrale Desinfektionsabteilung
  • sowie diverse medizinische Geräte.

Installiert werden die Komponenten von einem lokalen Team, das bei Bedarf Hilfe von internationalen Experten und von Freiwilligen erhält. Dabei ist es besonders wichtig, Wissen und Know-how an lokale Expertinnen und Experten zu vermitteln, denn diese sollen im Lauf der Zeit die Verantwortung für den Betrieb übernehmen.

 

Betreuung aus der Ferne

In Bushulo wie auch bei anderen Projekten unternimmt der BBM alles, um hohe Qualität zu gewährleisten und dabei Kosten- und Zeitrahmen nicht zu überschreiten. Das Krankenhaus soll dem Anspruch gerecht werden, ein Pilot-Projekt zu sein und optimale Gesundheitsversorgung anzubieten. Dabei soll die technologische Komplexität jedoch managebar bleiben. Durch Covid19 müssen die BBM-Techniker das Projekt aus der Ferne betreuen, ohne selbst anwesend sein zu können – eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten. Trotz Corona ist der Rohbau des neuen Krankenhauses bereits vollendet; derzeit wird an Strom- und Wasserleitungen gearbeitet. Die Fertigstellung ist für März 2021 geplant. Die Klinik ist dann das erste und einzige Spezialzentrum für Mutter-Kind-Gesundheit in ganz Südäthiopien. Sie wird hochprofessionelle medizinische Versorgung im Bereich Geburtshilfe, Gynäkologie und Pädiatrie anbieten.

 

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